Künstliche Intelligenz und Führung: Neue Aufgaben, neue Herausforderungen
KI-Lösungen verändern die Aufgaben von Führungskräften. Und so überrascht es nicht, dass der erste Lunchtalk unserer Region zum Thema "Künstliche Intelligenz und Führung" auf große Resonanz stieß.
Mit Professor Eric Kearney konnte die BME-Region Pfalz/Rhein-Neckar ihren ersten Lunchtalk am 26. Juni 2026 hochkarätig besetzen: Der seit 2014 in Potsdam lehrende und forschende Wissenschaftler beschäftigt sich intensiv mit Führung, Organisation und Personal - alles Felder, in denen Künstliche Intelligenz ihre Spuren hinterlässt. Und so weist Kearney gleich zu Beginn seines Impulsvortrags auf zwei Dinge hin, die Führungskräfte tunlichst vermeiden sollten: KI zu ignorieren oder sich ausschließlich auf KI-Werkzeuge zu konzentrieren. Damit riskiere man, das strategisch wichtige große Ganze aus dem Blick zu verlieren. KI solle man zwar auf keinen Fall unterschätzen, Kearney empfiehlt jedoch, die verschiedenen Werkzeuge aktiv und kreativ einzusetzen, ohne die Kontrolle aufzugeben.

Den Überblick zu behalten und proaktiv auf mögliche künftige Entwicklungen zu schauen, sei daher eine wichtige Aufgabe von Führungskräften, denn KI agiere mittlerweile durch den Einsatz autonomer Agenten in immer mehr Bereichen eigenständig und entwickle sich kontinuierlich weiter. Langfristig, so die Prognose des Experten, würden humanoide Roboter tiefgreifendere Veränderungen in Arbeitsprozessen bewirken, als heute absehbar sei.
Sich ständig verändernde Rollen und Abläufe für Menschen und KI-Agenten brächten darüber hinaus eine größere Dynamik in Führungsaufgaben. Führungskräfte seien inzwischen gefordert, sich kontinuierlich mit einer Fülle von Datenmaterial als Grundlage für bessere, weil datenbasierte Entscheidungen sowie mit Datenschutzthemen zu befassen. Sie müssten erstmals, so Kearney, gemischte Teams aus Menschen und KI-Agenten führen. Und weil durch KI Mitarbeitende einen einfacheren Zugang zu Informationen und Analysen bekämen, gewönnen Führungskräfte ihre Autorität weniger durch Wissensvorsprung, als vielmehr durch Urteilskraft, Sinnstiftung und das Aufbauen von Vertrauen. Unterstützt von KI, hätten sie mehr Zeit für die Motivation und Weiterentwicklung ihrer Mitarbeitenden, aber auch für das Wahrnehmen von Überforderungen oder Überlastungen.
Und welche Risiken sieht der Experte? Zunächst die mögliche Überwachung und Fragen des Datenschutzes, denn nicht alles, was möglich ist, sei auch gut für Unternehmen und ihre Kultur. In der Auslagerung von Empathie an KI-Agenten – etwa wenn KI bei der Vorbereitung von Mitarbeitergesprächen eingesetzt werde, sieht Kearney durchaus Potenziale, sofern KI transparent und verantwortungsvoll unterstützend eingesetzt wird. So könnten zum Beispiel künftig ganze Gespräche mithilfe intelligenter Brillen in Echtzeit von KI-Chatbots analysiert und der Gesprächsverlauf verbessert werden. Auf Dauer sei der mögliche Verlust menschlicher und fachlicher Kompetenzen bei Führungskräften im Blick zu behalten, insbesondere bei jüngeren Generationen, die mit KI aufwachsen und diese Fähigkeiten möglicherweise gar nicht mehr ausbilden können.
Kritisch betrachtet Kearney die zu beobachtende Verschiebung von generativer zu agentenbasierter KI. Diese ermögliche eine lückenlose Automatisierung echter Systeme, bekomme jedoch zugleich weitgehende Zugriffsrechte, was wiederum erhebliche Datenschutz-, Sicherheits- und Fehlsteuerungsrisiken erzeugen könne.
Wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus? Kearney vermutet, dass mehr Jobs entfallen als neu dazukommen werden und dass Mitarbeitende, die gut mit KI umgehen können und entsprechende Kompetenzen haben, im Arbeitsmarkt chancenreicher sein werden. Hilfreich seien Teams, die in konzertierter Aktion für Unternehmen oder Funktionsbereiche Strategien entwickeln und diese kontinuierlich an der technischen Entwicklung anpassen. Für die Zukunft, so sein Schlusswort, brauche man intellektuelle Neugier und KI-Literacy.