BME/IHK-Region Pfalz/Rhein-Neckar


21.04.2021

Mobiles Arbeiten und Home-Office - die neue Arbeitsrealität durch Corona?

Homeoffice und mobiles Arbeiten haben durch die Corona-Pandemie einen deutlichen Vorschub erhalten. Die Transformation der Arbeitswelt wird uns auch in Zukunft begleiten - mit allen damit verbundenen Chancen und Risiken.

Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 arbeiten immer mehr Menschen im Homeoffice – vielleicht auch Sie. Während vor der Pandemie knapp 13 Prozent der Beschäftigten von zuhause aus arbeiteten, ist die Zahl inzwischen auf 35 Prozent hochgeschnellt. Experten schätzen das Potenzial von Homeoffice-Lösungen mit 50 Prozent noch deutlich höher ein.

Doch nicht jede Tätigkeit ist für diese neue Form des Arbeitens geeignet. Die Möglichkeit der Digitalisierung sowie die Autonomie der Tätigkeit bestimmen das Potenzial ebenso wie die Formen der internen und externen Zusammenarbeit. Befragungen, die seit Beginn der Corona-Pandemie in regelmäßigen Abständen durchgeführt wurden, verdeutlichen, dass der anfänglichen Begeisterung eine Ernüchterung gefolgt ist. Homeoffice ist nicht „out“, die meisten Befragten sprechen sich inzwischen jedoch für hybride Formen des Arbeitens aus: zwei bis drei Tage im Homeoffice, die anderen Tage in Präsenz im Büro, auch wenn diese das Infektionsgeschehen negativ beeinflussen kann.

Doch wie bewerten die Befragten Homeoffice im Einzelnen? Positiv eingeschätzt werden die bessere Effektivität und Work-Life-Balance sowie die Steigerung der Produktivität. Negativ zu Buche schlägt die emotionale Belastung, vor allem von Beschäftigten, die zu 100 Prozent von zuhause aus arbeiten. Denn die Einflussfaktoren für gelingendes mobiles Arbeiten sind vielfältig und erfordern neben Fähigkeiten wie Selbstmanagement und dem Setzen richtiger und realistischer Ziele auch die Bereitschaft, längere und kürzere Pausen einzuplanen sowie Arbeit und Privates räumlich gut zu trennen. Allein der zuletzt genannte Aspekt kann in Familien zum Problem werden, wenn durch die Schließung von Kitas und Schulen auch die Kinder betreut werden müssen.

Ein weiterer wichtiger Faktor für das Gelingen von Homeoffice ist das Verhalten von Führungskräften. Die neue Arbeitssituation erfordert nicht weniger, sondern mehr Führung. Mitarbeitende brauchen individuelle Beachtung sowie die Vorgabe von Struktur und Zielen. Auch das Vertrauen zwischen den Teammitgliedern sowie dem Team und der Führungskraft ist zu stärken und im Blick zu behalten. Die Ergebnisse von Befragungen verdeutlichen, dass es eine deutliche Diskrepanz zwischen der von Mitarbeitenden gewünschten und der erlebten Führung gibt.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt Professor Florian Kunze betroffenen Führungskräften, den informellen Austausch zu fördern, Teammitglieder in unterschiedlichen Konstellationen zusammenzubringen und regelmäßige Präsenzmeetings zu ermöglichen. Die Führungskraft selbst sollte versuchen, sich selbst zu öffnen und auch Persönliches einzubringen, um das emotionale Vertrauen zu stärken.

Ein dritter gewichtiger Faktor für das Gelingen von Homeoffice und mobilem Arbeiten betrifft die häusliche Ausstattung der Arbeitsplätze. Eine funktionierende Hardware und IT-Ausstattung, gute Internetverbindungen sowie Platz und Ruhe sind für die im Homeoffice arbeitenden Personen wichtig, um gute Arbeitsergebnisse zu erzielen. Unternehmen, die langfristig auf Homeoffice-Lösungen setzen, sind daher gut beraten, wenn sie in diese Bereiche investieren und entsprechende Schulungen und Weiterbildungen anbieten. Ebenfalls wichtig sei es, so Florian Kunze, den Work-Family-Konflikt im Blick zu behalten, auf permanente Verfügbarkeit der Mitarbeitenden im Homeoffice zu verzichten und digitale Kommunikation nicht nur synchron, sondern auch in Form von Aufzeichnungen verfügbar zu halten.

Fakt ist: Viele Beschäftigte möchten auch nach Corona nicht auf Homeoffice-Angebote verzichten und sehen dies auch als einen gewichtigen Faktor bei der Jobsuche. Empfehlenswert sei es daher, so das Fazit von Florian Kunze, beide Welten zu mischen. Denn persönliche Interaktion sowie der Austausch im Büro sind für erfolgreiches Arbeiten auch in Zukunft wichtig. Dass die Corona-Pandemie die Transformation der Arbeitswelt massiv vorangetrieben hat, steht für ihn außer Frage.

Tipp: Zahlen und Fakten zur Transformation der Arbeitswelt finden Sie in der Präsentation von Prof. Dr. Florian Kunze, die Sie auf dieser Seite als Download-Angebot finden. Wir danken dem Referenten, dass er uns diese Unterlagen zur Verfügung gestellt hat. 

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