Jahresauftakt 2026: Wolfgang Bosbach wirft kritischen Blick auf Deutschland
Der Jahresauftakt bei unserem Mitglied MLP gehört zu den Traditionsveranstaltungen der Region. Mit Wolfgang Bosbach traf das Publikum auf einen gut informierten Speaker, in dessen Vortrag auch der Humor nicht zu kurz kam.
Der Jahresauftakt bei unserem Mitglied MLP gehört zu den Traditionsveranstaltungen der Region. Und so verwundert es nicht, dass Dirk Heilmann von MLP, Dr. Lars Kleeberg, Geschäftsführer des BME und Ralf Heckmann, Vorstandsvorsitzender der Region Pfalz/Rhein-Neckar am 12. Januar 2026 ein interessiertes Publikum begrüßen durften. Die Erwartungen an den diesjährigen Keynote-Speaker Wolfgang Bosbach wurden erfüllt: Der frühere Bundestagsabgeordnete griff in einem Rundumschlag alle aktuell diskutierten Themen in seinem faktenreichen, jedoch nie langweiligen Vortrag auf.

Wolfgang Bosbach vor interessierten Gästen bei der Auftaktveranstaltung des BME Pfalz/Rhein-Neckar. (c)Petra Huber
Wolfgang Bosbach startete seinen Beitrag mit der Diskrepanz zwischen politisch interessierten Bundesbürgern und Parteimitgliedern: Immerhin 40 Prozent der Deutschen seien laut Umfragen politisch interessiert, nur 1,4 Prozent hingegen Mitglied einer politischen Partei. Das Durchschnittalter der Parteimitglieder sei hoch, es fehle an Nachwuchs, der bereit sind, sich zu engagieren oder für politische Ämter anzutreten, vor allem in der Kommunalpolitik. Wie es in Zukunft hier weitergehen könnte – offen.
Zugleich befinden wir uns, so Wolfgang Bosbach, in einer Zeit, in der viele Krisen zur gleichen Zeit zusammentreffen:
- eine wirtschaftliche Rezession ohne Perspektive eines schnellen Aufschwungs,
- der Ukraine-Krieg, der Europa zwingt, über die Wehrfähigkeit nachzudenken,
- die Zollpolitik, die u.a. die Automobil- und Maschinenbauindustrie herausfordert,
- ausufernde Bürokratie und Genehmigungsverfahren, die als wichtige Stellschrauben für den Standort Deutschland entschlackt werden müssten,
- die sozialen Systeme, die aufgrund der demographischen Entwicklung an ihre Grenzen stoßen.

Wolfgang Bosbach bei seinem faktenreichen Vortrag. (c)Martin Klett
Das gerade verabschiedete Investitionspaket der Bundesregierung reiche als Impuls für tiefgreifende Veränderungen nicht aus, auch wenn 100 Milliarden nach viel Geld klingen. So kämen davon zum Beispiel in den hochverschuldeten Kommunen nur ein Bruchteil des Bedarfs an. Zahlreiche Beispiele, die Bosbach aus den genannten Politikfeldern nennt, verdeutlichen sein ernüchterndes Fazit: „In der alten Welt waren und sind wir noch gut“ – doch für die neue Welt offensichtlich aufgrund der genannten Verwerfungen unzureichend aufgestellt. Ein Lösungsansatz: Investitionen in Bildung – denn das sei schließlich der einzige Rohstoff, den wir nutzen können, um wieder durchstarten zu können.